Albrecht Bengel Haus · Tübingen · Studienbegleitung · Doktorandenarbeit · Gemeindearbeit · Gemeindeakademie

Einblicke in die Geschichte des ABH

Unsere Semesteranfangsfreizeit war gerade zu Ende gegangen. Da platzte es aus unserem neuen Rektor Rolf Sons heraus: „Wenn es das ABH nicht gäbe, müsste man es erfinden!“ So ist es auch mir öfters gegangen während meiner über 40-jährigen Verbundenheit mit dem ABH. Der ganze Lehrkörper des ABH ist von den prächtigen jungen Menschen begeistert, die uns zur Studienbegleitung anvertraut sind.


Die Not war groß 

Um diese Studienbegleitung ist es den Gründern und dem Trägerverein des Albrecht-Bengel-Hauses von Anfang an gegangen. Zu viele junge Menschen hatten in den sechziger Jahren mit den besten Absichten ein Theologiestudium begonnen, um es dann in einer durch das Studium hervorgerufenen Glaubenskrise wieder abzubrechen. Andere haben den biografischen Bruch mit ihrer eigenen Herkunft als irreparabel angenommen. Sie haben dann den Dienst in der Kirche unter gänzlich anderen Vorzeichen aufgenommen, als sie es zu Beginn ihres Studiums beabsichtigt hatten.

Es musste etwas getan werden!

Ein großer Kreis von Verantwortungsträgern in der württembergischen Landessynode, in den pietistischen Gemeinschaftsverbänden und in den württembergischen CVJM wollte die Krise der Theologie und die Politisierung des Theologiestudiums während der Studentenrevolte nicht hinnehmen. Sie konnten es nicht verantworten, die Studenten sich selbst zu überlassen. So 

Gründungsmitglieder

entstand die Absicht, ein Studienhaus zu gründen und die Studierenden in ihrem Studium zu begleiten. Es ging um die Treue zur Schrift, um geistliche Gemeinschaft und um einen Praxisbezug durch Ausrichtung

des Studiums auf die Gemeindesituation. Das alles sollte in einer Atmosphäre des Vertrauens und des gegenseitigen Respekts geschehen. Dies sind die drei „Säulen“, die unsere Arbeit im ABH 40 Jahre lang getragen haben – nicht ohne Widerspruch und nicht ohne Krisen. Aber sie haben bis heute getragen. Diese Prinzipien wurden aktuell durch eine genauere Präzisierung und Weiterentwicklung als die „fünf Dimensionen“ unserer Arbeit neu gefasst.


Es war eine andere Zeit 

Foto Haus Gartenstraße

Foto Karl Heim HausEs war eine andere Zeit, in der das ABH entstand. Es war eine Zeit der harten Auseinandersetzungen, der Proteste und Demonstrationen. Die Terrorgefahr kam damals nicht von außen, sondern von innen. Es war eine Zeit der großen gesellschaftlichen und theologischen Unruhen. Es wurde um die Richtung in Staat und Kirche gerungen. Die Pietisten und konservativen kirchlichen Gruppierungen waren besorgt um die Zukunft der Kirche. Den Verantwortlichen war bewusst, dass die heranwachsende Pfarrerschaft der besonderen Aufmerksamkeit und Unterstützung bedarf. Verantwortungsträger wie Dekan Walter Tlach (ehemaliger Repetent im Evangelischen Stift) und Dekan Hans Wagner, Pfr. Fritz Grünzweig, Synodaler und Vorsitzender der Ludwig-Hofacker-Vereinigung, die Professoren Peter Beyerhaus und Otto Michel von der theologischen Fakultät in Tübingen, der Richter Hans Eißler (Synodalpräsident 1972-77), der langjährige Vorsitzende des ABH-Vereins Dekan Martin Holland und das Vorstandsmitglied Martin Pfander haben das Vorhaben 1969 mit dem Kauf eines ersten Hauses in der Gartenstraße umgesetzt. Es war ein bescheidener Anfang mit 11 Studentenzimmern in einer umgebauten Stadtvilla. Schon bald musste ein Großteil der „Bengel“ extern untergebracht werden. Dr. Gerhard Maier, der spätere Landesbischof in Württemberg, wurde wegen der steigenden Zahlen als zweiter Studienleiter neben Walter Tlach angestellt. Die steigenden Studentenzahlen führten bald auch zu akuter Raumnot. Ein Teil des Karl-Heim-Hauses wurde zusätzlich angemietet. Schon acht Jahre nach der Gründung konnte im Herbst 1977 ein Neubau in Tübingen-Derendingen mit Platz für 76 Studierende („A-Bau“ und „B-Bau“) eingeweiht werden. Zu den Gründungsmitgliedern des ABH zählten auch der spätere Landesbischof Theo Sorg, der spätere Prälat Rolf Scheffbuch, und als studentischer Vertreter Rolf Hille, der nach Gerhard Maier (1980-95) Rektor wurde.
     

Es hat sich viel getan

Foto Bau ABHNach den sehr stark umkämpften Anfangszeiten vollzog sich ein deutlicher Wandel in der Gesellschaft. Dieser war auch an der theologischen Fakultät zu spüren. Die „Bengel“ hatten sich durch ihren Fleiß im Studium Anerkennung und Respekt verschafft. Diese Entwicklung hat sich fortgesetzt – auch angesichts verschiedener theologischer Unterschiede zu manchen Positionen, die an der Universität vertreten werden. 1987 kam aus Platzgründen der „C-Bau“ hinzu. Somit standen insgesamt 95 Studentenzimmer, drei Mitarbeiterwohnungen sowie Seminar- und Büroräume zur Verfügung.
Foto D-BauZur Förderung unserer Doktorandenarbeit und einer damit verbundenen Erweiterung der Bibliothek im Altbau wurde 2009 der „D-Bau“ unter anderem mit einem neuen Andachtsraum, Hörsaal, Seminarraum und Appartements eingeweiht.

Die Arbeit im ABH lohnt sich!

Die ersten Absolventen des ABH, die sich ihre Akzeptanz an der Uni noch schwer erkämpfen mussten, sahen sich im kirchlichen Dienst häufig mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. Auch das hat sich geändert – weil der Trägerverein und die Mitarbeitenden ihrem Auftrag treu geblieben sind! Inzwischen konnten sich ehemalige „Bengel“ in allen Bereichen und Ämtern des kirchlichen und theologischen Lebens etablieren. Der große Segen liegt jedoch auf dem treuen Dienst unserer vielen „Ehemaligen“ in ihren Gemeinden, in Schulen, freien Werken und manch anderen Aufgaben. Die Gründungsidee des ABH hat sich gelohnt, und wir haben die Zuversicht, dass Gott die studienbegleitende Arbeit auch weiterhin zum Bau seines Reiches gebraucht.

Die Rektoren des ABH

Foto Prof. P. Bayerhaus

Prof. Dr. Peter Beyerhaus
Gründungsrektor (ehrenamtlich)
1969-1974
Foto W. Tlach

Walter Tlach
Erster Studienleiter
1970-1978

Foto Dr. G. Maier
Prof. Dr. Gerhard Maier
Rektor
1980-1995
(seit 1973 Studienleiter)
Foto R. Hille

Dr. Rolf Hille
Rektor
1995-2009
Foto R. Sons

Dr. Rolf Sons
Rektor 
2009-2016